Setzen: 6! Generation „Durchgefallen“

Sicherlich ging die Nachricht über das diesjährige Mathe Abitur auch an Ihnen nicht spurlos vorbei. Verschiedene Bundesländer mit tausenden von AbiturientINNEN erhoben Einspruch gegen zu schwere Aufgaben, die in nicht angemessener Zeit zu lösen waren. Ministerien und LehrerINNEN reagieren verunsichert und blocken das Thema trotz Online-Petition ab. 

Nun fragen wir uns: wie kann es dazu kommen? Waren die Aufgaben tatsächlich zu schwer und die Jugendlichen haben gelernt, sich nicht alles gefallen zu lassen oder machen es sich die AbiturientINNEN zu leicht, indem gegen ein angemessen hohes Niveau Einspruch erhoben wird?  

Fakt ist, dass die Leistungsunterschiede an den deutschen Schulen zunehmen. Die Quoten von hervorragenden aber auch von gescheiterten Leistungen steigen rapide an und entfernen sich voneinander. 

Eintreten für Prinzipien – das scheint DER Antrieb der Jugendlichen zu sein: demonstrieren für das Klima, Petitionen gegen (aus ihrer Sicht) ein ungerechtes Mathe Abi, … Woran liegt das? Jugendliche verschaffen sich Mitspracherecht. Sie sind nicht länger passiv oder geben sich damit zufrieden, dass sie ja „bald“ mitreden dürfen. Durch zahlreiche Kommunikationskanäle, die für sie wie ein zweites zu Hause sind, machen die jungen Menschen sich Luft über aktuelle Missstände. 

Aber wie steht es denn um die Noten? Nach Auswertungen der Deutschen Presse-Agentur scheitert inzwischen einer von 26 Schülern am Abitur. Das bedeutet: ca. einer pro Klasse, insgesamt 3,8 % aller Prüflinge. Wenn man sich die Statistiken der einzelnen Bundesländer anschaut, so muss man feststellen, dass in NRW nicht mehr „nur“ 1,9 % (Jahr 2012) durchfallen, sondern schon 3,5 %. Vgl: Mecklenburg-Vorpommern: 7 % und Brandenburg: 6 %. Erfreuliche Neuigkeiten kommen hingegen aus Sachsen, die sich im Vergleich zu 2006 um 1,8 % verbessern konnten (3,1 %) und Thüringen, welches das erfolgreichste Bundesland mit nur 2,1 % im Hinblick auf Durchfallerquoten zu sein scheint. Insgesamt muss dieser Vergleich aber eher vorsichtig betrachtet werden…Denn die unterschiedlichen Maßstäbe, wie das Abitur in den einzelnen Ländern berechnet wird, unterscheiden sich extrem. So ist es die Regel, dass zum Beispiel das Fach Mathe in NRW im Abitur nicht schriftlich geprüft wird, wohingegen es aber zahlreiche Bundesländer gibt wie z.B. Sachsen oder Bayern, die Mathe zwingend im Abi vorschreiben. 

Allerdings sollte man festhalten, dass schon die Zulassungsvoraussetzungen, um an das Gymnasium zu gelangen, in den letzten Jahren stark abgeschwächt wurden. In 14 von 16 Ländern entscheiden mittlerweile die Eltern als letzte Instanz darüber, ob ihr Kind an das Gymnasium kommt oder nicht. Lediglich in Bayern und Brandenburg gibt es noch einen erforderlichen Notenschnitt. Auch aus diesem Grund ist die Leistungsspreizung an den Schulen sehr hoch. 

Kann es auch sein, dass wohlwollende Milde der Lehrer einzelne Schüler bis zum Abitur bringt, aber sie dann an der harten, zentral gestellten Abschlussprüfung scheitern? Bei zu vielen Wiederholern in den einzelnen Jahrgangsklassen kann es nämlich schon einmal vorkommen, dass die Schule Post vom Ministerium erhält… das versuchen durchaus einige Schulen zu vermeiden und „hieven“ den Schüler in die nächste Klasse mit der Hoffnung auf Besserung. 

Zusammenfassend: Durchfallerquoten sind zur Normalität geworden. Die unterschiedlichsten Gründe können dafür herangezogen werden, doch muss man bedenken, dass zusätzlich zu den länderspezifischen institutionellen Abweichungen die Schüler individuell zu betrachten sind: sie haben alle unterschiedliche familiäre Umfelder, soziale Voraussetzungen, Interessen und stark voneinander abweichende Systeme der Unterstützung, also Menschen auf die sie zählen können, wenn es mal hart auf hart kommt. All dies beeinflusst das schulische Vorankommen und bringt die Jugendlichen entweder nach vorn oder zieht sie herab.  

Wir als Ausbilder können nur versuchen einen kleinen Beitrag zum Vorankommen zu leisten und somit Teil des Systems der Unterstützung werden. 

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