Interview mit Herrn Macke – Ausbilder für Fachinformatiker

Wir finden, dass Herr Macke eine sehr interessante Ausbilderpersönlichkeit besitzt. Deshalb haben wir uns 7 Fragen überlegt, welche er uns im Folgenden beantworten wird:

Herr Macke, ein paar klassische Fragen zum Einstieg: Erzählen Sie uns erst einmal über sich und Ihren Beruf als Ausbilder. Wie sind Sie Ausbilder geworden?

Herr Macke: Ich bin Ausbilder geworden, weil ich schon immer Interesse daran hatte, anderen Menschen das Programmieren beizubringen. Nach meiner eigenen Prüfung hatte ich sofort die Idee, das gelernte Wissen meinen Nachfolgern im Unternehmen weiterzugeben. Und da ich meine IHK-Prüfung im Rahmen eines dualen Studiums absolviert habe, bei dem die Vorbereitung auf die Ausbildereignungsprüfung bereits integriert war, konnte ich direkt nach meinem Abschluss loslegen. Zusätzlich bekam ich das Angebot, an meiner ehemaligen Hochschule zu unterrichten, sodass ich beide Tätigkeiten optimal verbinden konnte. Und als ich dann nach einigen Jahren meine ersten Azubis erfolgreich durch die Prüfung gebracht hatte, entstand die Idee, einen Podcast rund um die Ausbildung zu starten. Damit konnte ich mir tägliche Arbeitszeit einsparen, die ich nun noch intensiver mit meinen Auszubildenden verbringen konnte, anstatt immer wieder die gleichen Inhalte zu vermitteln.

Sie bilden Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung aus. Wie sieht da Ihr Alltag aus und was sind speziell Ihre Aufgaben?

Herr Macke: Ich bin, wie vermutlich viele andere Ausbilder auch, nicht hauptamtlich als Ausbilder tätig, sondern arbeite auch noch in meinem ganz normalen Beruf als Softwareentwickler und -architekt. Das finde ich auch sehr wichtig, da ich so selbst in der Programmierung aktiv bleibe und die neusten Entwicklungen mitbekomme. Die kann ich dann direkt an meine Azubis weitergeben. Mein Alltag ist sehr individuell, was für mich den großen Reiz meines Berufes ausmacht. Manchmal weiß ich morgens nicht, was mich den Tag über erwarten wird. Das Klischee, das viele Menschen vielleicht noch von Softwareentwicklern im Kopf haben, stimmt heute definitiv nicht mehr. Wir sitzen nicht acht Stunden am Tag alleine vor dem PC und “hacken”, sondern unser Alltag ist vor allem durch Kommunikation bestimmt. Kommunikation mit den Kunden, Entwicklerkollegen, Projektleitern, Fachbereichen, Testern, Marketing usw. Denn zu erfolgreichen Softwareprojekten gehört nicht nur der Code, den wir als Entwickler produzieren, sondern auch das ganze Drumherum: Die Software muss vernünftig aussehen und gut bedienbar sein und sie muss vor allem die Anforderungen des Kunden erfüllen. Und um das bestmöglich abbilden zu können, muss ich mich mit den jeweiligen Menschen austauschen.

Aber natürlich gehört auch die konzentrierte Arbeit am PC mit zu meinem Beruf. Als Softwareentwickler bringen wir dem Computer bei, Probleme für uns zu lösen. Dafür formulieren wir Algorithmen, die wir in einer Programmiersprache aufschreiben. Algorithmen sind letztlich nichts anderes als Problemlösungsbeschreibungen. Als Einstiegsbeispiel für meine Azubis nehme ich immer ein Kuchenrezept. Stellen wir uns vor, unsere Oma hat vor vielen Jahren einmal aufgeschrieben, wie man einen leckeren Apfelkuchen backt. Wenn wir uns nun heute genau an diese Beschreibung halten, können wir solch einen Kuchen immer wieder mit gleicher Qualität backen. Und nichts anderes tun wir als Softwareentwickler: Wir beschreiben in einer für den Computer verständlichen Art und Weise, wie dieser z. B. ein mathematisches Problem für uns lösen soll: “Nimm die Zahlen 3 und 5. Addiere die beiden Zahlen. Gib das Ergebnis aus.”

In der Ausbildung ist es meine Aufgabe, den Azubis beizubringen, wie man Probleme löst. Wenn wir als Softwareentwickler selbst nicht wissen, wie genau die Problemlösung aussieht, können wir sie auch nicht dem Computer beibringen. Das kann bedeuten, dass wir durchaus auch einmal mit Zettel und Stift arbeiten oder an einem Whiteboard Zeichnungen machen. Wenn wir dann verstanden haben, was der Computer wie in welcher Reihenfolge tun muss, verwenden wir eine Programmiersprache, um ihm die nötigen Befehle zu geben. Ein Großteil der Ausbildungszeit wird dann darauf verwendet, solch eine Programmiersprache zu lernen. Was sich für viele Menschen vielleicht sehr kompliziert und technisch anhört, ist in der Realität aber durchaus mit dem Erlernen einer natürlichen Sprache vergleichbar. Auch für Programmiersprachen müssen die Azubis Vokabeln (die Befehle), Interpunktion (Klammersetzung, Kommas etc.) und Grammatik (insb. den erlaubten Satzbau) lernen. Dabei unterscheiden sich Programmiersprachen allerdings von natürlichen in der Art, dass sie sich alle stark ähneln und die gleichen Konstrukte enthalten. Wenn man eine Programmiersprache gelernt hat, ist es einfach, eine Weitere zu lernen.

Zusätzlich zur Programmierung müssen Anwendungsentwickler allerdings wie alle anderen IT-Berufe auch noch zahlreiche Grundlagen der IT lernen. Sei es das Einrichten eines Computers, das Verkabeln von Netzwerken oder auch die rechtliche Bewertung des Einsatzes eines Fotos im Internet. All das sind Ausbildungsthemen, mit denen ich mich dann in der restlichen Zeit beschäftige. Ich führe z. B. regelmäßig Lernzielkontrollen mit den Azubis durch oder wir lesen gemeinsam Bücher zu den verschiedenen IT-Themen.

Sie haben erwähnt, dass Sie einen Podcast betreiben. Was genau behandeln Sie in dem Podcast und wie lange schon? Wie kamen Sie dazu, einen Podcast zu betreiben?

Herr Macke: Meinen Podcast betreibe ich seit 2015. Zu Beginn hieß er “Anwendungsentwickler-Podcast”, aber 2020 habe ich ihn in “IT-Berufe-Podcast” umbenannt. Viele Inhalte der inzwischen sieben verschiedenen IT-Berufe sind identisch. Daher wollte ich mich nicht mehr auf eine Fachrichtung (die Anwendungsentwicklung) festlegen. Im IT-Berufe-Podcast geht es um alle Themen rund um die Ausbildung in den IT-Berufen. Das heißt, zur Prüfungsvorbereitung gibt es genauso Episoden wie zur Programmierung, der Netzwerkadministration, dem Azubi-Recruiting oder auch dem Erstellen des betrieblichen Ausbildungsplans für Ausbilder. Meine Zielgruppe sind insbesondere Azubis in den IT-Berufen, aber eben auch ihre Ausbilder. Da ich bereits seit 2009 ehrenamtlich als IHK-Prüfer tätig bin, kann ich sowohl aus meiner Ausbilderpraxis als auch aus Sicht eines Prüfers berichten, was die Anforderungen in der Abschlussprüfung sind. In den IT-Berufen ist z. B. ein großes Abschlussprojekt umzusetzen, das dann dokumentiert und auch präsentiert werden muss. Und dazu haben viele Azubis Fragen oder brauchen Hilfe, z. B. bei der Themenfindung oder der Formatierung ihrer Dokumente.

Ich bin aber unter anderem auch ein großer Freund vom Lernen mit Büchern. Und für die IT-Berufe gibt es ein dickes Standardbuch, das alle Azubis lesen sollten. Zu jedem Kapitel dieses Buches habe ich dann eine eigene Podcast-Episode aufgenommen, in der ich beschreibe, welche Inhalte des Kapitels praxis- oder prüfungsrelevant sind. Zusätzlich reichere ich den Podcast noch mit Interviews an, damit auch einmal andere Sichtweisen und Erfahrungen als meine eigenen vorgestellt werden. Das hilft meinen Azubis, auch einmal über den Tellerrand unseres Unternehmens zu schauen.

Gestartet bin ich mit Episoden zum Inhalt der Abschlussprüfung, da ich das meinen eigenen Azubis Jahr für Jahr wieder vermitteln musste. Und da ich als Softwareentwickler wie gesagt eigentlich “Problemlöser” bin, wollte ich für mich das Problem der wiederkehrenden Wissensvermittlung bei gleichbleibender Qualität lösen. Da ich viele Jahre lang in einer Band gespielt habe, hatte ich die nötige Erfahrung mit Audioaufnahmen und konnte dank vorhandenem Equipment direkt loslegen. Und das habe ich dann auch einfach gemacht.

Für mich war auch von Anfang an klar, die Inhalte kostenfrei im Internet zur Verfügung zu stellen. Als Softwareentwickler leben wir bei unserer täglichen Arbeit vom “Open-Source-Gedanken”. Andere Entwickler schreiben Funktionen, die wir dann (kostenlos) in unseren eigenen Programmen wiederverwenden können. Es ist immer ein Geben und ein Nehmen! Und ich trage nun eben in dieser Form dazu bei, unsere Community mit fähigem Nachwuchs zu versorgen.

Als Ausbilder haben Sie bestimmt schon mal unangenehme Situationen mit Auszubildenden in Erfahrung gebracht. Ohne jetzt ins Detail zu gehen, können Sie uns vielleicht über 1 bis 2 Erfahrungen berichten?

Herr Macke: Um ehrlich zu sein, kann ich mich an kaum eine solche Situation erinnern. Durch unseren sehr guten Auswahlprozess, den ich übrigens auch im Detail im Podcast erkläre, konnten wir bislang unsere Ausbildungsstellen immer mit wirklich guten Azubis besetzen. Fast alle haben ihre Prüfung auch mit “sehr gut” bestanden. Hin und wieder wird vielleicht mal ein Projekt nicht rechtzeitig fertig oder die ein oder andere Klausur in der Berufsschule geht daneben, aber das lässt sich eigentlich immer in persönlichen Gesprächen lösen. Ich habe mir z. B. mit jedem meiner Azubis wöchentlich 30 Minuten Zeit reserviert, in der sie über all ihre Probleme mit mir sprechen können. Und außerdem sitzen die Azubis auch direkt bei mir im Büro, sodass ich jederzeit ansprechbar bin. Kleine Unstimmigkeiten sollten daher eigentlich früh erkennbar sein und sich gar nicht erst zu großen Problemen ausweiten. Das ist auch einer meiner Tipps für andere Ausbilder: Sprecht mit euren Azubis und hört euch ihre Probleme oder auch Vorstellungen und Wünsche an. Denn der Nachwuchs bringt viele eigene Ideen mit, die die Ausbildung bereichern können.

Das ist ein sehr guter Tipp, das können wir nur unterstreichen und das geben wir auch in unseren Seminaren genauso weiter: Sprecht mit jedem Azubi einmal in der Woche – so kann man vielen größeren Problemen vorbeugen. Dementsprechend haben Sie bestimmt auch mal besonders schöne Situationen erlebt. Können Sie uns auch davon vielleicht mal berichten?

Herr Macke: Für mich sind die schönsten Situationen immer die, in denen die Azubis Eigeninitiative zeigen und z. B. Projekte umsetzen, ohne dass ich mich daran beteiligen muss. Einer meiner ehemaligen Auszubildenden hat z. B. mit einem Mini-Computer eine kleine Lampe konstruiert, die immer von grün auf Rot schaltet, sobald in unserer Haupt-Software ein Fehler auftritt. Das hat mich überrascht und auch gefreut. Denn das zeigt mir, dass ich den Auszubildenden über seine tägliche Arbeit hinaus motivieren konnte, sich mit der Technologie zu beschäftigen. Die Lampe steht seitdem gut sichtbar über unserer zentralen Kaffeemaschine im IT-Bereich.

Außerdem ist es für mich immer toll zu sehen, wenn meine Azubis mit guten Noten ihre Ausbildung beenden. Zwei meiner Azubis haben z. B. als beste Anwendungsentwickler in ganz Niedersachsen ihre Prüfung gemacht. Darauf bin ich sehr stolz. Und einer meiner ehemaligen Auszubildenden ist inzwischen sogar zum Abteilungsleiter aufgestiegen. Zu sehen, dass ich Teil dieser beruflichen Entwicklung war, freut mich sehr.

Aber auch einfach das tägliche Miteinander mit den jungen Leuten finde ich inspirierend. Ich kann mich noch gut an meine eigene Jugend erinnern und an die LAN-Partys, die wir im Keller “gefeiert” haben. Zu sehen, wie das Ganze heutzutage abläuft, mit Live-Streaming auf Twitch usw. finde ich sehr interessant. Ich habe meinen Azubis z. B. schon über das Internet beim gemeinsamen Zocken des “Landwirtschaftssimulators” zugeschaut und war sehr amüsiert.

Sie haben uns erzählt, dass Sie in Ihrem Podcast Tipps für andere Ausbilder behandeln. Haben Sie Tipps, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Herr Macke: Mein wichtigster Tipp ist, dass man als Ausbilder einfach Bock auf seinen Beruf haben muss. Wenn man selbst für seinen Job brennt, ist es einfach, andere damit anzustecken. Und ich würde behaupten, dass ich sehr viel Lust auf die Programmierung habe. Ich fand es schon als Jugendlicher spannend, dem Computer beizubringen, was er für mich zu tun hat. Und ich finde es umso spannender, jungen Menschen genau das wieder beizubringen.

Ansonsten ist es allgemein wichtig, dass man in seinem Beruf immer am Puls der Zeit bleibt. Gerade wenn man den zukünftigen Nachwuchs ausbildet, kann man nicht mit veralteten Denkweisen oder Praktiken um die Ecke kommen. In der IT ist das besonders extrem, weil jedes Jahr neue Hardware oder Programmiersprachen entstehen. Aber das geht für mich auch deutlich über die fachlichen Inhalte hinaus. Heutzutage sind neben der Berufspraxis auch viele andere Themen wie Diversität im Team, der Umgang mit sozialen Medien oder der Klimaschutz wichtig und sollten Eingang in die Ausbildung finden. Da sehe ich uns Ausbilder als wichtige Vorbilder.

Zuletzt denke ich, dass wir als Ausbilder auch viel von unseren Azubis lernen können, wenn wir ihnen nur mal zuhören würden. Deswegen gehört für mich ein persönliches Gespräch mit jedem Azubi mindestens einmal wöchentlich zu den wichtigsten Maßnahmen in der Ausbildung.

Haben Sie gegebenenfalls noch abschließende Worte an unsere Ausbilder Community? Oder haben Sie sonst etwas zu erzählen oder zu berichten?

Herr Macke: Ich würde mich freuen, wenn auch Ausbilder aus anderen Berufen eigene Podcasts starten würden. Gerade das Jahr 2020 hat gezeigt, wie schnell wir von der analogen auf die digitale Welt umstellen mussten. Viele Azubis wurden ins Homeoffice geschickt und mussten von jetzt auf gleich ihren Alltag umstellen (Kleine Anmerkung: Hier unterstützen wir von AzubiScout gerne mit unseren Homeoffice-Seminaren ). Dabei kann ein digitales Medium wie der Podcast helfen, um trotzdem eine hohe Ausbildungsqualität zu gewährleisten. Außerdem ist ein Podcast sehr gut geeignet, um “nebenbei” gehört zu werden. Anders als bei Videos ist keine hundertprozentige Konzentration nötig. Einen Podcast kann der Azubi auch auf dem Weg zur Arbeit oder während der Hausarbeit hören. Das ermöglicht einen vielfältigen Einsatz in Leerlaufzeiten. Und es ist tatsächlich auch gar nicht so schwierig, einen eigenen Podcast zu erstellen. Zum Einstieg würde schon das eigene Smartphone reichen, das oft bereits die benötigte Software enthält.

Herr Macke: Vielen Dank für das sehr interessante und ausführliche Interview! Sie haben sehr viele Aspekte und Tipps erwähnt, die hilfreich für unsere Ausbilder-Community sind.

-Hier haben wir den Podcast von Herrn Macke für Sie verlinkt.


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