KI in der Ausbildung
Was müssen Azubis noch lernen, wenn KI immer mehr kann?
Wenn KI jederzeit erklären kann, wie etwas geht, verändert das die Ausbildung an einer entscheidenden Stelle. Vieles, was Azubis heute lernen, beginnt mit dem Satz „Mach es erst einmal so.“ Doch was passiert, wenn eine KI diese Anleitung in Sekunden liefert? Wir glauben: Dann wird eine andere Fähigkeit wichtig. Nämlich die, beurteilen zu können, ob das, was die KI sagt, überhaupt richtig ist.
Ein perfektes Ergebnis ist noch keine Kompetenz
Ein Azubi, der mit KI einen perfekten Kundenbrief schreibt, kann deshalb noch lange nicht gut mit Kunden kommunizieren. Wer sich eine Fehleranalyse erstellen lässt, kann noch lange nicht automatisch Fehler erkennen. Und wer mit KI eine Lösung findet, hat noch nicht zwangsläufig gelernt, eine gute Entscheidung zu treffen.
Deshalb lohnt es sich, Ausbildung neu zu denken: weniger Wissen reproduzieren und mehr Zusammenhänge verstehen. Weniger Routine abarbeiten und mehr Probleme lösen. Weniger fertige Antworten übernehmen und mehr hinterfragen und bewerten. Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr „Kannst du es?“, sondern: „Kannst du beurteilen, wann du es selbst tun musst, wann KI helfen kann und wann du der KI widersprechen solltest?“
„Human Reserved“: Was wir bewusst beim Menschen lassen
Ein Gedanke von Bill Gates hilft uns dabei: „Human Reserved“. Gemeint sind Tätigkeiten, die wir bewusst Menschen vorbehalten, selbst wenn KI oder Roboter sie irgendwann genauso gut oder besser erledigen könnten. Übertragen auf die Ausbildung heißt das: Wir müssen uns fragen, welche Dinge ein Azubi eigentlich noch selbst können soll.
- Recherche: Die KI darf Informationen recherchieren. Der Azubi muss sie bewerten können.
- Lösungen: Die KI darf einen Lösungsvorschlag machen. Der Azubi muss entscheiden können, ob er sinnvoll ist.
- Texte: Die KI darf einen Text formulieren. Der Azubi muss wissen, was er seinem Kunden tatsächlich sagen will.
- Fehleranalyse: Die KI darf Fehler analysieren. Der Azubi muss Fehler überhaupt erst erkennen können.
Und dann gibt es Fähigkeiten, die wir nicht einfach an eine KI delegieren sollten: Vertrauen aufbauen, Konflikte lösen, empathisch reagieren, Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und für die eigenen Entscheidungen einstehen. Sie entstehen im Kontakt mit Menschen und lassen sich nicht abkürzen.
Was das für Ausbilderinnen und Ausbilder bedeutet
Damit verändert sich auch Ihre Rolle. Vielleicht müssen Sie künftig weniger Antworten geben und dafür häufiger Fragen stellen. Vier Fragen eignen sich dafür besonders gut:
- „Warum glaubst du, dass das richtig ist?“
- „Welche Alternative gibt es?“
- „Was spricht gegen den Vorschlag der KI?“
- „Was würdest du entscheiden – und warum?“
Ein Beispiel aus dem Ausbildungsalltag
Stellen Sie sich vor, Ihr Azubi hat mit Hilfe einer KI einen Brief an einen verärgerten Kunden geschrieben. Der Text klingt höflich und sauber formuliert. Statt ihn nur abzuhaken, fragen Sie: „Was möchtest du dem Kunden mit diesem Brief eigentlich sagen?“ und „Was spricht gegen den Vorschlag der KI?“ Vielleicht merkt Ihr Azubi dann, dass die Antwort zwar freundlich ist, aber den eigentlichen Ärger des Kunden gar nicht aufgreift. Genau an dieser Stelle lernt er, was keine KI für ihn übernehmen kann: sich in den Kunden hineinzuversetzen und die Verantwortung für die Antwort zu tragen.
Tipps für den Ausbildungsalltag
- Erst selbst denken, dann KI nutzen: Lassen Sie Ihren Azubi bei neuen Aufgaben zuerst eine eigene Einschätzung notieren und erst danach die KI befragen.
- KI-Ergebnisse gemeinsam prüfen: Bewerten Sie Antworten der KI im Gespräch mit Ihrem Azubi: Was stimmt, was fehlt, was passt nicht zu unserem Betrieb?
- Regeln festlegen: Klären Sie, wofür KI in Ihrer Ausbildung genutzt werden darf und wo Ihr Azubi bewusst selbst arbeiten soll.
- Menschliche Kompetenzen üben: Geben Sie Ihrem Azubi Aufgaben, bei denen Kundenkontakt, Konfliktlösung und eigene Entscheidungen im Mittelpunkt stehen.
Fazit
Nicht alles, was KI übernehmen kann, sollte sie auch übernehmen. Die spannende Frage für die kommenden Jahre lautet: Wie gestalten wir Ausbildung so, dass KI das Lernen unterstützt und nicht das Lernen ersetzt?
Was meinen Sie: Was müssen junge Menschen heute lernen, wenn KI morgen vieles kann? Schreiben Sie uns gern.
Unsere Meinung: KI im Ausbildungsalltag muss man ausprobieren, bevor man sie gut einordnen kann. Genau dafür haben wir unsere KI-Seminare entwickelt: für Ausbilder:innen, die ihre Azubis beim Umgang mit KI begleiten wollen, und für Azubis, die lernen möchten, KI-Antworten kritisch zu prüfen. Wenn Sie erst einmal klein einsteigen möchten, ist unser kompakter Online-Kurs eine gute Möglichkeit. Unsere Online Kurse finden Sie hier: https://ki.azubiscout.com/Sprechen Sie uns gern an.
Inspiriert wurde dieser Beitrag durch einen Artikel von Bill Gates, aus dem auch der Gedanke „Human Reserved“ stammt. Quelle: Bill Gates, „A turbulent AI era and critical choices to make“ (Gates Notes)



