Feedback ist kein Urteil – es ist ein Gespräch
Ein guter Start entscheidet darüber, ob Feedback ankommt. Das Feedbackgespräch steht an, und Sie wissen genau, was Sie Ihrem Azubi sagen möchten. Nur: Wie steigen Sie ein?
Viele Gespräche beginnen mit dem, was fehlt: der Berichtsheft-Eintrag, der zu knapp war, die Aufgabe, die nicht ganz gelungen ist. Das ist gut gemeint, hat aber oft eine unerwünschte Wirkung. Ihr Azubi fühlt sich beurteilt, macht innerlich dicht, und die Rückmeldung verpufft. Dabei wollen Sie doch genau das Gegenteil: dass Ihr Azubi versteht, wo er steht, und motiviert den nächsten Schritt geht.
Drei Fragen, die Sie schon morgen stellen können
Wir empfehlen einen anderen Einstieg: mit Fragen statt mit Kritik. Diese drei eignen sich besonders gut:
- Stärke: „Was ist dir diese Woche gut gelungen?“ Ihr Azubi erzählt zuerst, was schon läuft. Das schafft eine positive Ausgangslage und zeigt Ihnen, worauf er selbst stolz ist.
- Lernen: „Was hat dich dabei überrascht?“ Die Frage lädt zum Nachdenken ein. Oft nennt Ihr Azubi dabei ganz von selbst die Stellen, an denen es noch hakt.
- Ziel: „Was möchtest du als Nächstes ausprobieren?“ Damit richtet sich das Gespräch nach vorn und Ihr Azubi übernimmt Verantwortung für seinen nächsten Schritt.
Ein Beispiel aus dem Ausbildungsalltag
Stellen Sie sich vor, Ihre Auszubildende im zweiten Lehrjahr hat in dieser Woche zum ersten Mal allein einen Kunden beraten. Es lief nicht ganz rund: Ein wichtiger Punkt fehlte, und der Kunde musste nachfragen. Ohne Fragen würden Sie vielleicht direkt mit dem fehlenden Punkt starten.
Mit den drei Fragen sieht das anders aus. Auf „Was ist dir diese Woche gut gelungen?“ erzählt sie, dass sie die Kundenfrage sicher aufgenommen und freundlich geführt hat. Auf „Was hat dich dabei überrascht?“ sagt sie von sich aus, dass sie bei einer Nachfrage ins Stocken kam. Damit ist der Punkt auf dem Tisch, ohne dass Sie ihn ansprechen mussten. Und bei „Was möchtest du als Nächstes ausprobieren?“ schlägt sie vor, sich vor dem nächsten Gespräch eine kurze Checkliste zu schreiben. Sie müssen nur noch bestätigen und ergänzen.
Warum das funktioniert
Wer zuerst erzählen darf, ist im Gespräch aktiv statt in der Verteidigung. Sie hören zu, statt zu urteilen, und erfahren dabei mehr über die Sicht Ihres Azubis. Ihre eigene Rückmeldung landet anschließend auf einem ganz anderen Boden: Sie knüpfen an das an, was Ihr Azubi gerade selbst gesagt hat.
Drei Hinweise helfen, damit es gelingt: Nehmen Sie sich für die Antworten wirklich Zeit und lassen Sie auch Pausen zu. Fragen Sie nach, statt zu bewerten („Was genau hat dich überrascht?“). Und bringen Sie Ihre eigene Einschätzung trotzdem ein, denn Feedback ohne klare Rückmeldung ist keine Führung. Nur eben nach den Fragen, nicht davor. Das Gespräch dreht sich dann um den nächsten Schritt und nicht um die Fehler von gestern.
Weitere Tipps für die Praxis
- Ort und Zeitpunkt bewusst wählen: Ein ruhiger Raum und ein Termin ohne Zeitdruck machen es Ihrem Azubi leichter, offen zu antworten. Zwischen Tür und Angel gelingt das selten.
- Ein Thema pro Gespräch: Konzentrieren Sie sich auf ein bis zwei Punkte. Zu viel auf einmal überfordert und bleibt nicht hängen.
- Fragen an den Ausbildungsstand anpassen: Im ersten Lehrjahr helfen konkrete Fragen („Welche Aufgabe hat dir diese Woche am meisten Spaß gemacht?“). Später dürfen die Fragen offener werden.
- Vereinbarung festhalten: Notieren Sie gemeinsam in ein bis zwei Sätzen, was Ihr Azubi als Nächstes ausprobiert. Beim nächsten Gespräch knüpfen Sie genau daran an.
- Regelmäßig statt selten: Kurze Gespräche in festen Abständen wirken besser als ein großes Gespräch am Ende des Halbjahres.
Fazit
Wer erst fragt, hört zuerst, was schon gut läuft. Feedback ist dann kein Urteil, sondern ein Gespräch, in dem Ihr Azubi sich ernst genommen fühlt und weiß, wie es weitergeht.
Probieren Sie es aus: Welche der drei Fragen stellen Sie als Erstes? Schreiben Sie es uns gern in die Kommentare, wir sind gespannt auf Ihre Erfahrungen.



