Brief an mich selbst
Der Ausbildungsstart
In den meisten Betrieben begann letzte Woche das neue Ausbildungsjahr.
Ein einschneidender Tag für beide Seiten: den Betrieb und für die Azubis. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt… Ein großer Schritt Richtung Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Der Eintritt in die Arbeitswelt stellt einen Übergang dar: vom Schüler zum Arbeitnehmer… Auf einmal erwachsen. Dabei gehen unseren Auszubildenden natürlich allerlei Gedanken durch den Kopf.
Eine einfache Methode mit großer Wirkung
Viele Ausbildungsbetriebe, denen wir bereits bei der Gestaltung von den internen Azubi-Start-Tagen behilflich sein durften, haben den „Brief an mein zukünftiges Ich“ eingeführt.
So funktioniert der Brief an das Zukunfts-Ich
Bitten Sie Ihre Auszubildenden, in einer ruhigen Minute, einen kurzen Brief an sich selbst zu schreiben. Die Azubis werden ihn verschlossen an den Ausbilder, den Ausbildungsleiter oder im Personalbüro abgeben. Dort wird er dann bis zum Ausbildungsende sicher aufbewahrt. Der Auszubildende sollte verstehen, dass dies kein Überwachungsmittel oder Infoangabe über die Person, sondern etwas ganz Persönliches und nur für den Verfasser/Leser bestimmt ist.
Ein Beispiel aus der Praxis
Eine Auszubildende Hotelfachfrau stellte uns nach drei Jahren Ausbildung ihren Brief zur Verfügung. Ihr Name wurde selbstverständlich abgeändert:
„Liebe Nadine in drei Jahren,
nun sitze ich hier. Der Tag ist endlich da, auf den ich so lange hin gefiebert habe… Ich habe schon jetzt sehr viele nette Menschen kennengelernt, die ich in den nächsten Tagen, Jahren bestimmt noch besser kennenlernen werde. Es ist komisch zu wissen, dass ich hier jetzt mehr Zeit verbringen werde, als zu Hause. Aber du hast es geschafft, wenn du das hier liest. Meine ganzen Gedanken und Ängste hast du schon hinter dir gelassen. Hoffentlich hattest du Erfolg, hoffentlich bist du glücklich mit der Entscheidung und hoffentlich würdest du es immer wieder so machen. Du weißt jetzt sicherlich schon, wo es nach der Zeit hier hingeht. Ich weiß es noch nicht. Bestimmt würdest du jetzt sagen „mach dir keine Gedanken – wird schon“…naja, dann vertraue ich dir mal. Der erste Eindruck von meiner Ausbildungsleiterin ist sehr gut. Sie sagt, dass sie immer für uns da ist und wir zu ihr kommen können, wenn wir Probleme haben. Ich vertraue ihr. Durch sie bin ich hierhergekommen. Bestimmt versteht ihr euch jetzt noch besser. Mein Ziel ist es auf jeden Fall, dass ich eine wertvolle Mitarbeiterin werde und man mich nach der Ausbildung vermissen wird. Große Ziele, ich weiß… Die Zeit ist bald rum, sagt Frau Werner, also werde ich jetzt Schluss machen. Ich wünsche uns das Beste und sende Grüße in die Zukunft. Glaub an dich!
Deine Nadine.“
Fragen als Schreibimpuls
Als kleine Unterstützung können Sie Ihren Azubis folgende Fragestellungen für den Brief an die Hand geben: Was sind deine Ziele? Warum sollte man dich vermissen? Was möchtest du deinem Zukunfts-Ich sagen? Wie geht es dir heute? Wie soll es dir in 3 Jahren gehen? …usw.
Warum sich die Methode lohnt
Der Brief fördert die Selbstreflexion und regt die Auszubildenden dazu an, sich bewusst mit ihren Zielen, Erwartungen und Wünschen auseinanderzusetzen. Gleichzeitig hält er die Gedanken des ersten Ausbildungstages fest und macht die persönliche Entwicklung über die Ausbildungszeit sichtbar. Am Ende entsteht daraus oft ein emotionaler Rückblick und ein schöner Anlass für das Abschlussgespräch.
Wir wünschen Ihnen und Ihren Azubis viel Erfolg!



