6 Fehlerquellen bei Leistungs-Beurteilungen

Wir streben im Geschäftsalltag dazu die Vielzahl der Informationen zu begrenzen und zu strukturieren, ohne lange darüber nachdenken zu müssen. Dabei ist unser Augenmerk meist auf die Fehler und nicht auf die positiven Leistungen gerichtet. Das ergibt wiederrum eine natürliche Fehler- oder Defizitorientierung in der Praxis…darunter leidet nicht nur Ihre Stimmung, sondern oftmals auch Ihre Azubis, wenn Sie sie bewerten müssen. Der erste Schritt zur Besserung sind sinnvolle, transparente und nachvollziehbare Bewertungskriterien. (Eine Vielzahl höchst effizienter Kriterien haben wir Ihnen in unserem letzten Beitrag gezeigt.) Der zweite Schritt ist es, wenn man sich über die möglichen Fehler, die man begehen könnte, bewusstwird. Denn es fällt grundsätzlich leichter eine Aufgabe zu erledigen, wenn man vorher weiß, worauf man achten soll… Aus diesem Grunde präsentieren wir Ihnen, kurz und knapp, die fatalsten Stolperfallen:

  1. Der Einfluss von Vor- und Zusatzinformationen. Positive oder negative Zusatzinformationen – auch über Freizeitaktivitäten – beeinflussen die Beurteilung. Sie werden einen unauffälligen, stillen Azubi tendenziell schlechter bewerten, als den kontaktfreudigen, sprachgewandten Azubi, der in seiner Freizeit Kindern Nachhilfe gibt.
  2. Der Einfluss von Sympathie und Geschlecht. Egal, ob Sie selbst männlich oder weiblich sind, neigen Sie dazu, weibliche Azubinen wohlwollender zu bewerten. Dies liegt daran, dass wir Frauen als fleißiger, angepasster, ordentlicher etc. wahrnehmen. Darüber hinaus sollten Sie darauf achten, Azubis, die Ihnen sympathisch sind, nicht zu bevorzugen.
  3. Der Einfluss von subjektiven Theorien. Subjektive Einstellungen oder ausgeprägte Grundüberzeugungen beeinflussen unsere Wahrnehmung und die Einschätzung der jeweiligen Leistungen. Man nimmt nicht selten nur das wahr, was man erwartet wahrzunehmen. Dies führt zu Beobachtungsverzerrungen. Wenn ich also die „Punk-Jugendströmung“ prinzipiell als kriminell einschätze, werde ich die Unterstützung eines Punks bei der Straßenüberquerung einer älteren Dame wahrscheinlich als vorgetäuschter Raubversuch werten.
  4. Halo-Effekt und logischer Fehler. Allgemeine Eindrücke oder ein hervorstechendes Merkmal bestimmen die Leistungsmerkmale. So denken wir, dass ein ordentlicher Azubi auch strukturiert und priorisiert arbeitet oder, dass eine hohe Gedächtnisleistung mit einem großen Maß an Intelligenz zusammenhängt. Oder umgekehrt, ein Azubi, der in Physik schlecht ist, könnte mathematische Zusammenhänge trotzdem gut verstehen.
  5. Stabile Urteilstendenzen könnten Strengefehler – also man neigt dazu, dass kleinere Mängel relativ stark gewichtet werden, Mildefehler – hauptsächlich werden begünstigende Beurteilungen vergeben, Tendenz zur Mitte – man scheut sich vor Extremen, was zur Häufung von mittleren Urteilen führt oder Tendenzen zu Extremurteilen – selten werden Leistungen mit mittleren Urteilen belegt, sondern häufig überzogene bzw. extreme Bewertungen stehen im Mittelpunkt, sein.
  6. Reihenfolgeneffekt. Eine recht durchschnittliche Leistung wird tendenziell positiver bewertet, wenn vorher eine eher mäßige Beurteilung durchgeführt wurde. Im umgekehrten Fall wird eine gute Leistung meistens schlechter bewertet, wenn ihr unmittelbar zuvor eine herausragende Leistung voranging.

Bei der nächsten Beurteilung nehmen Sie sich diese Fehler anhand von Stichpunkten mit – führen Sie sich Ihr eigenes Verhalten und Tendenzen vor Augen. Sie werden sehen, Einsicht ist wie so oft der erste Weg zur Besserung. In Ihrem Falle heißt das: fairere Beurteilungen für Ihre Azubis.

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