16 Beobachtungskriterien für Ausbilder

Beobachten will gelernt sein! „Wer sehen kann, der kann auch beobachten“, das ist die landläufige Meinung. Natürlich ist die Wahrnehmung im Laufe der Berufspraxis an den Erfordernissen der Arbeit gewachsen, schärfer geworden, ob sie allerdings offener geworden ist, darf in Frage gestellt werden. Die Willkür in der Beobachtung muss Transparenz und Struktur in der Leistungsbewertung weichen. Hierfür stellen wir Ihnen drei Kategorien mit diversen zu beobachtenden Kriterien vor, die sich in Lernverhalten, Arbeitsverhalten und Sozialverhalten einteilen lassen.

Lernverhalten.

  • Wahrnehmungsfähigkeit: nimmt der Azubi Veränderungen in seiner Umgebung wahr? Wie schnell und präzise entdeckt er Fehler, Unterschiede oder Gemeinsamkeiten in Arbeitsabläufen?
  • Auffassungsgabe: erkennt der Azubi schnell das Wesentliche? Erfasst er die Zusammenhänge und logischen Verknüpfungen?
  • Ausdrucksvermögen: (in manchen Berufen von großer Relevanz) hat der Azubi einen großen Wortschatz und körperliches Ausdrucksvermögen? Kann er anschaulich erklären und seine Aussagen anderen verständlich machen?
  • Wiedergabefähigkeit: kann der Azubi immer komplexer werdende Sachverhalte, Abläufe, Strukturen, Versuchsaufbauten etc. wiedergeben und beschreiben? Bemerkt er Fehler oder Fehlendes? Hat er ein gutes Erinnerungsvermögen, auch bei weiterführenden Aufgaben?
  • Übertragungsfähigkeit: (auch Transferfähigkeit) ist der Azubi in der Lage Bekanntes auf Unbekanntes zu übertragen, z.B. indem er neue, aber strukturgleiche Aufgaben mit gleichartiger Problemstellung selbstständig löst? Kann er sich problemlos von vertrauten Aufgaben auf neue Bedingungen umstellen? Kann er Bekanntes in neuen Perspektiven sehen?
  • Beurteilungskompetenz: kann der Azubi zwischen Darstellung und Kritik einer Situation entscheiden? Bemüht er sich um eine möglichst breite Informationsgrundlage bevor er ein Urteil ausspricht? Erkennt er Widersprüchlichkeiten in Schlussfolgerungen? Hinterfragt er andere Ansichten, Lösungsvorschläge, usw.?

Arbeitsverhalten.

  • Arbeitsorganisation: gliedert der Azubi die umfangreichen Aufgaben sinnvoll? Hat er eine gute Zeiteinteilung? Plant er zunächst die anzugehende Arbeit? Vergleicht er Aufgaben und Resultate?
  • Konzentration (Ausdauer): Arbeit der Azubi gleichmäßig über längere Zeit? Verfügt er über einen langen Atem bei anspruchsvollen Aufgaben? Entwickelt er eine hohe „Störresistenz“?
  • Selbstständigkeit: arbeitet der Azubi selbstständig auch ohne Kontrolle oder Bestätigung? Kann er die eigene Arbeit eigenständig planen und durchführen? Weiß er sich selbst zu helfen, wenn Probleme auftauchen bzw. kann er improvisieren? Beschafft er sich bei Bedarf eigenständig weitere Aufgaben oder Informationen?
  • Engagement: übernimmt der Azubi freiwillig Arbeit und ist immer bestrebt das eigene Wissen zu erweitern? Entwickelt er Eigeninitiative, macht er auch vor anderen Kollegen oder Azubis eigene Anregungen oder Vorschläge? Lässt er sich durch Misserfolge nicht sofort demotivieren?

Sozialverhalten.

  • Hilfsbereitschaft: respektiert der Azubi die Wünsche, Bedürfnisse und Ansprüche der Kollegen und anderer Azubis? Hilft oder unterstützt er andere? Übernimmt er freiwillig Aufgaben, um andere zu entlasten?
  • Soziale Sensibilität: nimmt der Azubi unterschiedliche Stimmungen im Arbeitsumfeld wahr und kann er darauf angemessen reagieren? Erkennt er Gefühle und Bedürfnisse der anderen an? Kann er eigene Empfindlichkeiten äußern?
  • Integrationsfähigkeit: ist der Azubi bemüht andere Meinungen in der Gruppe zu zuhören und in Entscheidungen einzubinden? Betrachtet er auch in der Gruppe erbrachte Leistungen als persönliche Bereicherung? Ist er auch zur Erledigung undankbarer Aufgaben bereit?
  • Kontaktfähigkeit: (Achtung: Introvertiertheit ist nicht automatisch negativ zu werten) findet der Azubi schnell neue Kontakte? Spricht er in den Pausen mit anderen? Hat er Freude dabei mit wechselnden Kollegen zu arbeiten?
  • Konfliktfähigkeit: sucht der Azubi im Falle einer Auseinandersetzung nach einer fairen Lösung? Fragt er nach Konfliktursachen? Ist er nicht nachtragend? Kann er Kritik verkraften? Ist er in der Lage seinem Gegenüber bei Konflikten entgegenzukommen?
  • Selbstsicherheit/Selbstbehauptung: ist der Azubi in Stresssituationen ruhig, gelöst und leistungsbereit? Steht er zu seiner Meinung? Lässt er sich nicht so schnell verunsichern? Zeigt er auch im Affekt den nötigen Respekt anderen gegenüber?

Wir hoffen, dass Sie anhand dieser möglichen Kriterien ein transparentes Bewertungsschema erschaffen bzw. ihre vorhandene Bewertungsstruktur erweitern können. Mit der Hilfe von exakten Bewertungsinhalten schaffen Sie eine vertrauensvolle Basis, die für Kollegen und Azubis transparent ist. Viel Erfolg bei der Umsetzung!

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