Schnipp schnapp, Haare ab!

(Quelle: FAZ: Friseure werben um Nachwuchs. 22. Mai 2017)

Was genau würden sie empfinden, wenn Ihr Kind zu Ihnen kommt und sagt: „Ich möchte unbedingt Friseur werden.“?

—Genau. Und um diesem Klischee ein Ende zu setzen, soll nun das deutsche Friseurhandwerk attraktiver werden. Nach jahrelangem Azubi-Rückgang in der Branche muss man nun etwas tun. Gründe für die immer weniger werdenden Bewerber liegen zum einen in der mangelhaften Bezahlung und zum anderen in der Akademisierung Deutschlands, eine Entwicklung, die nicht nur der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks festgestellt hat. Insgesamt befinden sich derzeit 22.430 Auszubildende in ihrer Lehre (Stand: 2016). Dies bedeutet einen Rückgang um 1.5% im Vergleich zum Vorjahr 2015. Auf einer Mitgliederversammlung Ende Mai traf sich der Verband, um Zukunftsaussichten und die derzeitige Lage zu besprechen.

Erfreulicherweise ist die Anzahl der Betriebe seit mehr als 20 Jahren stabil geblieben. Da wir uns laut Jörg Müller dem Hauptgeschäftsführer nicht zuletzt wegen der medialen Aufmerksamkeit zum Thema Aussehen und Schönheit (siehe: Germanys Next Topmodel usw.) immer mehr in Richtung französisches oder italienisches Gesellschaftsbild entwickeln, werden auch Beauty Salons immer gefragter. Mitte 2016 verzeichnen wir 80.664 Salons in Deutschland.

Wie wird die Ausbildung denn nun interessanter? Der erste Schritt soll es sein die Meisterprüfung zu reformieren. In den Mittelpunkt soll der modische Aspekt und das fachliche Können gerückt werden. Die Arbeit mit dem Kunden soll modernisiert werden, indem die Lehrlinge schneller mit Kunden in Kontakt treten und somit intensivere Erfolgserlebnisse geschaffen werden können. Darüber hinaus wird die Akademisierung nicht von der Hand gewiesen, sondern das Bundesleistungszentrum „Haare und mehr“ in Koblenz geht mit dem Trend. Sie bieten ab Sommer 2017 ein Bachelorstudium mit großem Praxisbezug zur Beauty Welt an.

In enger Zusammenarbeit mit Verdi soll ebenso die Herausforderung des Klischees „Mindestlohn-Branche“ durch einen neuen Tarifvertrag erfolgreich bewältigt werden. Das Mindestgelt wird dementsprechend über den derzeitigen 8,84 Euro angestrebt. Schon letztes Jahr startete eine Tarifkampagne „Besser abschneiden“ zu dem Thema, welche auf dem Grundgehalt von im Schnitt 523 Euro für Lehrlinge in Westdeutschland basierte.

Es soll also viel getan werden im Friseurhandwerk, um nicht nur einen Beruf mit Zukunft, sondern auch ein Handwerk mit Tradition vor dem Aussterben zu bewahren. Wir sind gespannt, wo der Trend hingeht, und ob demnächst mehr Jugendliche eine Ausbildung in der Branche wählen – ohne, dass sich die Haare bei den Eltern sträuben. 🙂

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