Konflikte lösen

„Wenn zwei Menschen immer die gleiche Meinung haben, ist einer von ihnen überflüssig.“

(Winston Churchill)

 

Das Zusammenleben und –arbeiten mit anderen Menschen funktioniert nicht wie Fahrradfahren. Es ist nicht so, dass wir es einmal gelernt haben und es läuft und läuft. Unsere Beziehungen sind vielmehr wie eine Reise, die wir zwar planen können und die dennoch immer wieder Überraschungen bereithält. Manchmal tauchen völlig überraschend Schlaglöcher auf, die unsere Weiterfahrt ziemlich ins Holpern bringen können. Solche Schlaglöcher können Konflikte sein. Die unterschiedlichen Arten von Konflikten haben wir bereits besprochen.

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Wer regelmäßig einen Umweg geht, verbraucht unnötige Energie: Aus Befragungen geht hervor, dass in vielen Unternehmen ca. 50% der menschlichen Energie durch Konflikte verloren gehen. Wer den Baum aus dem Weg räumt, also den Konflikt klärt, nutzt das Potenzial, an ihm zu wachsen und sich zu entwickeln. Konflikte können Energie freisetzen und Beziehungen festigen, wenn wir sie ansprechen. Wie können wir also diesen Schlaglöchern auf die Schliche kommen und sie nutzen, um Energien freizusetzen?

 

Beobachtung vs. Bewertung

Wenn Sie Ihrem Gegenüber klar und ehrlich mitteilen wollen, was sie stört, ist die Schilderung Ihrer Beobachtung ein sehr wichtiger Schritt. Dazu bedarf es einer genauen Wahrnehmung von beobachtbaren Handlungen. Leider ist die Vermischung von Beobachtung und Bewertung in unserem alltäglichen Sprachgebrauch sehr üblich. Das führt dazu, dass der andere nur die Kritik hört und in die Abwehrhaltung geht. Es geht nicht darum, dass Sie sich jeglicher Bewertung enthalten, wichtig ist, dass Sie erst Ihre Beobachtung schildern und dann Ihre Bewertung äußern. Beispiel:

Sabine ist total faul. Ich habe Sabine in der letzten Woche drei Mal gefragt, ob sie mir helfen kann und immer hat sie abgelehnt, mit den Worten, dass sie keine Lust hat.

Wörter wie immer, nie, jemals, häufig etc. sind Verallgemeinerungen, die eine versteckte Bewertung enthalten, weil sie als Übertreibung genutzt werden, z. B. „Nie hilfst du mir, wenn ich in Arbeit ersticke!“ Doch wenn Sie diese Ausdrücke mit Ihrer konkreten Wahrnehmung, z. B. einem genauen Zeitrahmen verwenden, drücken Sie eine Beobachtung aus: „In der letzten Woche habe ich jeden Abend bis 19 Uhr gearbeitet, während du um 16 Uhr nach Hause gegangen bist.“

 

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Gefühle wahrnehmen und mitteilen

Der zweite Schritt ist die Wahrnehmung des eigenen Gefühls, welches ein bestimmtes Verhalten in Ihnen auslöst. Das fällt nicht immer leicht, denn mit der Preisgabe unser Gefühle zeigen und öffnen wir uns, was uns vermeintlich verletzlich macht. Gerade im Job ist die Angst vor Verletzlichkeit besonders groß. Doch in den meisten Fällen ist genau das Gegenteil der Fall: Wer sich traut, ehrlich über sich zu sprechen, erhält dadurch Zugang zum anderen. Achten Sie also darauf, dass Sie wirklich über Ihre Gefühle sprechen und nicht über als Gefühle verpackte Gedanken. Beispiel:

Ich habe das Gefühl, du lässt mich mit der Arbeit allein. Ich mache mir Sorgen, dass ich alles allein machen muss und es nicht schaffe.

 

Um Handlung bitten, die gewünscht ist

In diesem Schritt sprechen Sie das Verhalten aus, was Sie sich wünschen. Genau das fällt uns nicht so leicht, da wir es gewohnt sind, darüber zu reden, was wir uns nicht wünschen. Eine positive Handlungsansprache zu formulieren, ist die Schlussfolgerung der Verantwortung über unsere Bedürfnisse. Ein weiterer Punkt ist, dass unser Gehirn kein „Nein“ kennt. Wenn Sie Ihrem Kollegen sagen „Sei nicht so überkorrekt!“, muss sich sein Gehirn erst eine überkorrekte Reaktion vorstellen, um sie dann zu verneinen.

 

Bleiben Sie in der Äußerung Ihres Wunsches möglichst konkret, das heißt, beschreiben Sie beobachtbare Handlungen, damit Ihr Gegenüber genau weiß, was Sie sich von ihm wünschen. Wenn Sie sich zum Beispiel „Auch mal Fünfe gerade sein lassen!“ wünschen: Was genau heißt „Fünfe gerade sein lassen“ für Sie? Eine konkrete Handlungsansprache könnte sein: „Ich möchte, dass du gelassen bleibst, wenn ein Termin mal 10 Minuten später anfängt.“ Je klarer Sie Ihre Bitte formulieren, umso besser kann Sie von Ihrem Gegenüber verstanden werden.

Beispiel:

 

Ich möchte, dass du Verlässlichkeit zeigst.

 

Ich möchte, dass du unsere terminlichen Verabredungen einhältst.

 

Zusammenfassung

  1. Trennen Sie Ihre Beobachtung von Ihrer Bewertung.
  2. Teilen Sie das Gefühl mit, das ein bestimmtes Verhalten in Ihnen auslöst.
  3. Übernehmen Sie die Verantwortung über Ihre Bedürfnisse und Gefühle und überlassen Sie die des anderen dem anderen.
  4. Formulierung Sie eine positive Bitte über das konkrete Verhalten, dass Sie sich vom anderen wünschen.

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Durch die genaue Wahrnehmung und den Ausdruck Ihrer Gefühle und Bedürfnisse steigern Sie die Klarheit Ihrer Kommunikation. Sie konfrontieren den anderen mit Ihren Gefühlen und Bedürfnissen. Mit diesem wertschätzenden Weg der Kommunikation fördern Sie ein konstruktives Miteinander. Gleichzeitig öffnen Sie damit eine Tür für Ihre Mitmenschen, auch Ihnen offene und ehrliche Rückmeldungen geben können. So wird das Konfliktlösen wie Fahrradfahren zur Leichtigkeit.

 

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