Die selbsterfüllende Prophezeiung: der Rosenthal Effekt.

Wie die Erwartungen an ein bestimmtes Ergebnis, das Ergebnis selbst beeinflussen…

Der Rosenthal Effekt ist uns bekannt. Ob bewusst oder unbewusst. Entweder haben Sie schon in Ihrem eigenen Leben die Effekte davon zu spüren bekommen oder aber Sie haben die Auswirkungen dieses Phänomens selbst hervorgerufen. Sie wissen nicht wovon ich rede? Kein Problem, wir holen einfach ein wenig mehr aus und beginnen von vorn:

Der Ursprung des Effekts lag in einem Experiment mit Studenten, die jeweils eine Ratte zugeteilt bekamen. Sie sollten den Tieren innerhalb von fünf Tagen beibringen ein Labyrinth erfolgreich zu bewältigen. Die Studenten wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Der einen Gruppe gab man Ratten, die vermeintlich „hochbegabt“ waren und ausschließlich für solche Experimente gezüchtet worden sein. Ihnen wurde daher ein hohes Maß an Intelligenz und somit Zuversicht auf Erfolg zugemessen. Der zweiten Gruppe widerrum gab man vermeintlich „dumme“ Ratten. Den Studenten wurde gesagt, dass sie von ihnen nicht viel zu erwarten hatten. In Wirklichkeit wurden die Ratten beider Gruppen per Zufall an die Studenten verteilt. Es gab weder begabte noch minderbegabte Tiere in diesem Versuch. Die Ergebnisse des Experiments nach fünf Tagen waren bahnbrechend. Rosenthal und Fode fanden heraus, dass die Einstellung der Studenten einen erheblichen Einfluss auf den Ausgang und das Leistungsresultat der Ratten hatte. Die für begabt identifizierten Tiere verzeichneten einen realen Leistungszuwachs und konnten das Labyrinth im Gegensatz zu der zweiten Gruppe in kürzester Zeit lösen. Die Studenten der erfolgreichen Gruppe wurden im Nachhinein gefragt, wie sie sich den Ratten gegenüber verhalten haben. Sie erwiderten, dass sie tatsächlich eine liebevolle Einstellung, welche sich in häufigen Streicheleinheiten oder auch mündlichen Ermutigungen bemerkbar machte, aufwiesen. Sie gaben den Ratten mehr Zeit bei der Bewältigung der Aufgabe, inkludierten unbewusst Hilfestellungen und drückten bei Tests eher ein Auge zu bzw. waren bereit Fehler zu übersehen.

Was sagt uns das nun? Wie beziehen wir die Ergebnisse auf den Azubi-Alltag? Nun, auch hier gibt es basierend auf dem Vorläufer-Experiment Forschungen, die den Effekt bestätigen: unsere persönliche Einstellung (z.B. von Lehrern oder Ausbildern) gegenüber bestimmten Personen (z.B. Schülern oder Auszubildenden) wirkt sich auf deren Erfolg oder Misserfolg aus. Somit ist das Rattenexperiment auch auf zwischenmenschliche Beziehungen anwendbar.

Frage an einen Lehrer: „Wenn Sie nun einen Schüler haben, der sich im Fach Deutsch eher im Vierer-/ Fünferbereich bewegt… lesen Sie dann ein von ihm abgeliefertes Diktat mit nur zwei Fehlern nochmals durch, da Sie denken, dass da bestimmt noch mehr Fehler versteckt sind?“ Antwort: „Ja, wahrscheinlich schon. Da ich glauben würde, dass er auch dort Fehler macht, die man normalerweise [bei guten Schülern] gar nicht erwarten würde.“

Studien von Rosenthal und Jacobsen mit Grundschulklassen zeigen, dass der Rosenthal Effekt auch im Schulalltag fest verankert ist. Die angeblich hochintelligent getesteten Schüler mit prophezeiten Leistungssteigerungen (in Wahrheit eine normal ausgeprägte Leistungsstärke ohne signifikante Zukunftsprognose) verzeichneten innerhalb kürzester Zeit einen enormen Leistungs- und ja sogar Intelligenzzuwachs. Da die Lehrer durch ihr Unterbewusstsein gesteuerte, förderliche Impulse gegenüber den Kindern ausübten: zum einen erhielten die Schüler mehr Zeit zur Beantwortung von Fragen, sie wurden häufiger im Unterricht eingebunden, der Lehrer unterbrach sie seltener bei ihrer Antwort, der Schüler bekam häufiger Tipps und Unterstützung vom Lehrer und schließlich gab der Lehrer oft unbewusste, nonverbale Ermunterung durch Bestätigungsgesten wie Lächeln oder Nicken. All dies verschaffte den Schülern einen gewissen Vorteil. Fatal und äußerst ungerecht bleibt dieser Effekt gegenüber den angeblich Minderbegabten. Durch Äußerungen wie „Von dir erwarte ich schon lange nichts mehr.“, „Das war ja klar.“ oder bei unerwartetem Erfolg „Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn.“ genauso wie „Einmal hat jeder Glück“ zeichnen die Lehrer unbewusst eine Abwärtsspirale der Schülerleistungen.

Denken Sie an Ihre Schulzeit zurück. Rufen Sie sich Ihre persönliche Einstellung gegenüber Ihren Azubis ganz bewusst ins Gedächtnis und überprüfen Sie diese. Hängen auch hier Einstellung und Leistung zusammen? Hat Sie vielleicht der erste Eindruck stark geprägt (Primacy Effekt) und Sie haben Ihre Annahme seither nicht kontrolliert? Würde ein Wechsel Ihrer Einstellungsperspektive vielleicht doch etwas im negativen Verhalten (falls existent) Ihrer Auszubildenden ändern?

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