Das emotionale Konto

Wann standen Sie das letzte Mal vor dem Bankautomaten und haben Geld abgehoben? Neulich erst? Verständlich – denn wir zahlen ja nicht ohne Grund immer wieder unser hart erarbeitetes Geld ein. Natürlich möchten wir das Gesäte auch ernten. Tatsächlich kann man auch hier gewisse Parallelen zum Ausbildungsalltag ziehen. Natürlich können wir nicht direkt vom finanziellen Sparkonto sprechen, aber doch von einer anderen Art von Konto: dem emotionalen Konto. Jeder Einzelne besitzt es. Sie besitzen ein emotionales Konto gleichermaßen wie ich oder jeder Einzelne Ihrer Auszubildenden. Was hat es denn nun damit auf sich?

Stellen Sie sich vor, dass Sie nicht Geld auf das emotionale Konto einzahlen, sondern positive Gefühle wie Unterstützung, Begleitung, Beratung, Hilfe und Förderung auf allen erdenklichen Wegen. Die Atmosphäre wie das Arbeitsklima, aber auch die Freude an der Arbeit, die Empfindung „ich fühle mich verstanden“ und eine gewisse Fehlertoleranz führen zum Anstieg unseres Kontos. Wir tanken auf, es geht uns gut. In solchen Zeiten nehmen wir Energie für die kommenden Herausforderungen auf, um diese besser bestehen zu können. Umso mehr positive Gefühle wir haben, ob intrinsisch oder extrinsisch (also von innen oder außen) motiviert, desto gewaltiger das Guthaben auf unserem emotionalen Konto. Im übertragenen Sinne zahlen Sie somit als „guter“ Ausbilder regelmäßig auf das Konto Ihrer Auszubildenden ein. Sie fördern sie.

Natürlich kommen dann auch Zeiten, in denen Sie berechtigter Weise fordern dürfen. Durch Abverlangen von Leistungen, einer Schicht harter Arbeit mit voller Konzentration oder das Einspringen durch einen unerwarteten Vorfall wird das Konto leicht angezapft. Leider ist es menschlich, dass der positive Bereich auch durch herausragende Ereignisse nur sehr langsam aufgefüllt wird, jedoch die negativen Erfahrungen, wie zum Beispiel das Gefühl ungerecht behandelt worden zu sein, unser emotionales Konto umso mehr in Anspruch nehmen und es sinken lassen.

Daher ist es wichtig, dass wir auf unser eigenes aber auch auf das der Auszubildenden achten. Hier ist ein Gleichgewicht äußerst wichtig und sensibel zu behandeln. Denn wie bei unserem finanziellen Sparkonto werden wir zahlreiche Auszahlungen nur dann verkraften, wenn wir uns vorher ein gewisses Polster zugelegt und Vorkehrungen getroffen haben. Wir tanken auf und schöpfen Energie für Zeiten, in denen es uns vielleicht nicht so gut geht und wir von positiven Erinnerungen zehren müssen. Bei einer deutlichen Überbeanspruchung des Minusbereichs werden am Ende jedoch nicht nur die Zahlen rot, sondern auch die Lämpchen in unserem Gehirn, wenn wir irgendwann keine Energiereserve mehr zur Verfügung haben. Unser Körper wird dies nur eine begrenzte Zeit aushalten bevor er die Notbremse zieht. Dieser Zeitrahmen ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

In diesem Sinne, achten Sie auf Ihre eigene und die Gesundheit Ihrer Auszubildenden. Wann haben Sie das letzte Mal auf das emotionale Konto einer anderen Person eingezahlt?

Kleiner Tipp: ein winziges, ehrlich gemeintes Kompliment gilt hier als kleine Finanzspritze. 🙂

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